Großes Finale einer genialen Trekking-Woche

Djebl Toubkal, 4167 m

Der Djebl Toubkal ist der höchste Berg des Hohen Atlas-Gebirges in Marokko, somit die höchste Erhebung Nordafrikas. Er steht auf der Liste von abertausenden Trekkern aus aller Welt. 

1100 Hm rauf, und 2300 Hm runter nach Imlil.  

Ausgangspunkt: Unser Zeltdorf ein bissl unterhalb des Base-Camps für die Besteigung des Toubkal, bei der Neltner-Hütte.

24. Juni 2026


Unser Trekking-Abenteuer in Marokko begann in Oukaimeden, einem kleinen Schigebiet südlich von Marrakesch. Hicham, unser Guide, seines Zeichens Vize-Staatsmeister im Trail-Running, Hossein, unser Koch, seine 3 Gehilfen, 4 Maultiere und 5 Trekkies: Michi, Katja, Gabi, Günther und ich – das war das Team.

7 Tage waren wir miteinander in den Atlas-Bergen unterwegs. Wir sind auf hohe Pässe hinaufgegangen, bis 3500 m, haben in tiefe Schluchten hinuntergeschaut, sind durch malerische Dörfer und in einsame Gebirgsgegenden gewandert. Der Koch hat mit seinem Team 3 Mahlzeiten pro Tag aus dem Küchenzelt herausgezaubert, die wir an den schönsten Plätzen genossen haben. Prädikat: Sterneverdächtig! Unten in einer Küche kann jeder kochen, aber oben auf 3000 Meter und mit diesen Mitteln … das war Klasse! Und die Lagerplätze: Irgendwo in der Wildnis, auf einer Anhöhe oder einer Lichtung, oder an einem Bach haben sie unsere Zelte aufgebaut, und wir haben unter dem Sternenhimmel Marokkos geschlafen. Ein Traum – der auch deshalb so traumhaft war, weil Clearskies, die Organisation mit der wir unterwegs waren, alles so perfekt begleitet hat.

Am 5. Tag sind wir auf den Pass rauf – und da war der böige Wind schon ein echter Feind. Oben haben wir dann den Gipfel, Aglzim, 3650 m hoch, ‚mitgenommen‘, sind durch ein Schotterfeld abgerutscht zum Steigerl, und haben unten im Tal die Karawanen von Trekkern wahrgenommen, die alle, alle, alle nur eines wollten: auf den Toubkal steigen – wie wir auch. Ende der Gebirgseinsamkeit, eintauchen in das Summit-Business. Wir schlagen unser Lager mit Respektabstand zum Base-Camp auf.

Die Nacht ist schrecklich, der Wind bringt den allgegenwärtigen Staub ins Zeltinnere, wir schlafen schlecht. Im Morgengrauen sehen wir die Stirnlampen-Karawanen Richtung Gipfel ziehen. Wir frühstücken erst mal in Ruhe – soweit die Sturmböen Ruhe zulassen.

Damit kein falsches Bild aufkommt: Es wird ein strahlend-schöner Tag, nur der Wind halt…

Wir brechen auf. Der Wind ist stark, sehr stark. Wir müssen uns mit aller Gewalt dagegenstemmen. Das Hauptproblem ist, dass er so böig ist. Wir kämpfen uns aufwärts. Immer häufiger begegnen wir Wanderern, die umgekehrt sind. Ihre Erzählungen sind furchteinflößend: Oben am Kamm gibt es kein Weiterkommen.

Nach 2 Stunden ist Pause. Wir beraten was wir tun. Gabi, Katja und Günther haben ihre Entscheidung getroffen: Wir kehren um! Ich frage Hicham. Er sagt: „We can try it“. Okay. Michi, Hicham und ich gehen weiter. Die nächste Böe drückt mich an einen Felsblock. Ich rede mit Gott: „Wenn du willst, dass ich da rauf komme, musst du dieses Gebläse abdrehen.“ Die nächste Sturmböe drängt mich vom Weg ab. „Gut, drei Böen sollen mein Zeichen zum Umkehren sein – und das war die Zweite“.

Es kam keine mehr. Wir sind zum Gipfel aufgestiegen. Nicht am Kamm, sondern steil durch ein Steinefeld. Oben war es ruhig – und wir waren völlig allein. Das hat sogar Hicham, der schon hunderte Male oben war, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert: Hier allein zu sein ist ein seltenes Ereignis.

Ich gebe offen zu, dass diese Art von Gebeten, in denen es um nichts geht als um ein persönliches Erfolgserlebnis, nicht die vorbildlichsten Gebete sind. Sie sind ego-zentriert, kosten nichts und beschäftigen Gott mit Nichtigem. Und unser himmlischer Vater hört sie doch, und kümmert sich!

Müde und dankbar, und mit zwei Stürzen – einen wegen einer Böe auf den Felsboden, und einen auf einem Schneefeld, bin ich im Zeltlager angekommen. Da gab’s ein weiteres, köstliches Mittagessen.

Weil wir nicht noch eine Nacht in der Staub-Hölle unserer Zelte verbringen wollten, haben wir uns am Nachmittag nach Imlil hinunter aufgemacht. Das war schlecht für meine Knie, aber gut für unsere Lungen.

Wir verabschieden uns glücklich und dankbar von unserem Team, mit unvergesslichen Eindrücken im Herzen.