Schneewinkelspitz, 3015m

Zurück zum Ort des Patella-Bruchs

Der Schneewinkelspitz gehört in die Ankogelgruppe. Er steht in dem Kamm, der vom Säuleck zur Hochalmspitze zieht. Auf diesem Kamm verläuft auch der Detmodler Steig. Von der Gießener Hütte ist der Schneewinkelspitz über einen Blockfelsen-Steig relativ leicht erreichbar.

1380 Hm.  8 ½ H mit 2x Einkehren und vielen Pausen.

Ausgangspunkt: Parkplatz der Gießener Hütte im Göß-Graben.

27. August 2026

Ziemlich genau 3 Jahre nach meinem Unfall mit Kniescheiben-Bruch wollte ich nochmal zurück an den Ort des Geschehens: Peter, dem Hüttenwirt danken, und dem glitschigen Stein, auf dem ich ausgerutscht war, vergeben. Wenn sich dabei der Besuch der Schneewinkelspitze ausgeht, ist es super.

Wild war, ist und bleibt die Anfahrt durch den Göß-Graben. Ein autofahrtechnisches Abenteuer. Der Parkplatz ist voll, ich quetsche mich so hin, dass alle, die gut Auto fahren können, an mir vorbeikönnen. (Den Rest des Tages plagt mich die Frage, ob alle, die da gestanden sind, gut Auto fahren können).

Der Hüttenzustieg ist nice. Erst noch durch den Wald, dann durch die Latschenzone, immer wieder die Zubringerstraße zur Hütte querend geht es schnell hinauf.

Meine Hoffnung erfüllt sich: In der Hütte ist grade nichts los. Die Übernachtungsgäste sind schon weg, und von unten rauf bin ich bei den Ersten. Ich treffe Peter in der Gaststube. Er erinnert sich an meinen Unfall, auch an Details. Als es geschehen war, damals, ist Gabi zur Hütte gelaufen, um Hilfe zu holen. Dort hat Peter den Hubschrauber geordert, und ist dann zu mir aufgestiegen, mit Wasser und Müsliriegeln im Gepäck. Wir haben Zeit zu plaudern, ich kann meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Es ist zwar erst Neun, aber ich esse schon mal eine Gulaschsuppe.

Der Weg hinauf zur Unfallstelle geht nicht über einen Bach, sondern über zig Bäche. Ich spüre, wie die Verunsicherung in die Beine kriecht: nicht ausrutschen! Die Frage ist: Welcher war es? Ich ziehe 3 in die engere Wahl. Beim Runtergehen werde ich es wiedererkennen.

Zum höchsten Punkt hinauf ist es in Wirklichkeit öde, ziemlich öde. Blockfelsen, Blockfelsen, Blockfelsen. Jeder Schritt eine Konzentrationsübung. Jeder dritte Stein wackelt. Teilweise ist es ordentlich steil. Irgendwann bin ich am Gipfel. Müde, bissl stolz, vor allem dankbar schaue ich mich um. Ich bin völlig allein (wer geht schon auf so einen Berg?). Ich danke Gott für diesen Berg, und für die vielen anderen, die rundherum stehen, und dafür, dass mein Knie wieder so weit in Ordnung ist, dass ich das machen kann.

Runter heißt es aufpassen. Nicht hudeln.

Bei den Bächen angelangt, versuche ich mich zu erinnern. Ich einige mich schließlich mit mir, dass es dieser Bach gewesen sein muss. Der glitschige Stein ist natürlich nicht mehr da. Ich setze mich an die Stelle, an der ich damals gelegen bin, versuche mich zu erinnern. Allerdings: tiefe Emotionen stellen sich nicht ein. Einzig die Dankbarkeit Gott gegenüber, dass alles so gut ausgegangen ist, erfüllt mich.

Runter zur Hütte, nochmal einkehren, und dann weiter zum Auto.

Ganz unten kriecht noch eine Kreuzotter über den Weg, eine ganz fesche, goldbraune. Das Auto steht noch da, ohne Kratzer, ohne Zettel mit bösen Worten … lauter gute Autofahrerinnen!