PISTENTOUREN-GLÜCK

4 Schitouren. Kemahdhöhe 1577 m, Rauriser Waldalm 2030 m, Ahornstein 1855 m, Asitz bis ca. 1465 m. 3160 Hm
Ausgangspunkt: Schneemangel in ganz Österreich. Dort, wo Schnee im Gelände liegt, ist es Bruchharsch. Wir – Martin, Gabi und ich – entscheiden uns für ein paar Pistentouren („irgendwas muss man ja machen“). Als Base-Camp wählen wir die Pension Schwab am Eingang des Rauriser Tales.

Vom Pistentouren-Muffel zum Pistentouren-Fan

Jeder ‚echte‘ Schitouren-Fan rümpft die Nase, wenn von Pistentouren die Rede ist. Ich bisher auch. Das Abenteuer im freien Gelände, die Stille der Bergwelt, den glitzernden Schnee und die selber mitgebrachte Jause – das alles tauschst du ein gegen einen öden Pisten-Hatscher am Rande einer überbevölkerten, aus Kunstschnee hartgewalzten Abfahrt, und aus den Lautsprechern quillt „Schifoan, -oan, -oan…“.

Es kann auch ganz anders sein.

Tag 1: Kemahdhöhe, und ein bissl weiter

Wir holen Martin am Bahnhof Radstadt, und fahren zum Parkplatz der Königslehenbahn, kaufen je ein Tourengeher-Ticket um 17,50 Euro, und los geht’s!

Es ist nebelig und kalt. Zuerst am Pistenrand hinauf, und dann geht’s gleich rein in den Wald. Auf Forst-Wegerln und Holzbring-Sträßchen kommen wir rasch höher. Die Route zieht westwärts, und wir wissen es schon: sie trifft schließlich auf die Piste, die von Altenmarkt heraufkommt. An deren rechten Rand geht es weiter, bis max. 30° steil, zuerst in die Sonne (Juch-Hu!), und schließlich zur Bergstation, und zum großen, interessanten Gipfelkreuz der Kemahdhöhe.

Es ist klar, dass für Martin das nicht das Ende der Tourenstange bleibt. Nach einer kleinen Trinkpause gehen wir weiter, umrunden den Speicherteich, und folgen der Spur in den Wald, dem Vorderen Labeneck entgegen. Aber es ist, wie es überall zurzeit ist: Zuwenig Schnee, und wo einer liegt ist er unfahrbar. Das macht keinen Sinn und keinen Spaß. Martin geht dennoch weiter, rauf auf den Brandkopf („a Schinderei“, sagt er hinterher), wir drehen um und sichern uns in der Sportalm neben der Bergstation Plätze für ein genüssliches, spätes Mittagessen.

Abfahrt auf schöner Piste bis zum Auto. Da meine Schier beim Service waren, und also die Kanten scharf sind, fühlt sich auch das gar nicht so schlecht an…

Tag 2: Waldalm und a bissl weiter

Wir hatten am Vorabend noch rausgefunden, dass die Rauriser Bergbahnen für Tourengeher 2 Aufstiege definiert und gekennzeichnet haben. Also machen wir das!

Erste Überraschung: das kostet nichts! Zweite Überraschung: nach wenigen Metern die Piste entlang schwenkt die Tourengeher Spur in den Wald, und kommt erst kurz vor dem Ziel, der Waldalm nach 800 Höhenmetern wieder zur Piste. Wir erleben eine ‚normale‘ Schitour, völlig abseits des Pistenrummels, genießen die Stille, und freuen uns am schönen Wetter und der großartigen Landschaft. Auf den letzten Metern ist dann die Piste zu queren, um die Waldalm zu erreichen. Dort stärken wir uns (nur ein wenig☺). Wir gehen weiter, bis zur Bergstation der Waldalmbahn. Da haben wir auch noch nicht genug, sondern ziehen weiter rauf, bis es auf dem schmäler werdenden Rücken zu eng wird für Tourengeher-Normalos. Da, irgendwo im Gelände, hoch über dem Tal ist „unser Gipfel“, bei ca. 2030 m.

Abfellen, abfahren (Martin fädelt bei einem Weidezaun ein, kommt aber glimpflich davon), abschnallen vor der Waldalm. Essen!

Runter ins Tal auf der Piste, bis zum Auto.

Tag 3: Ahornstein

Martin wusste, dass starker Südwind am Alpenhauptkamm aufkommen wird, also fahren wir zum Dientner-Sattel am Hochkönig Massiv. Dort liegt genug Schnee im Gelände, um durch den Wald bis zur Bergstation der KingsCab-Kabinenbahn hinaufzugehen. Diese Route ist ein Genuss: von vorne blinzelt die Sonne durch die Bäume, gegenüber zeigt sich immer wieder der Hochkönig, alles funkelt und glitzert. Oben am Plateau sieht man schon den weiteren Wegverlauf hinüber zum Kollmannsegg und noch weiter zum Ahornstein. Dort lassen wir die Felle gleich dran, um die Gegensteigung beim Weg zurück auf das Kollmannsegg zu bewältigen. Von hier geht’s östlich runter zur Klingelbergalm – überraschend schön zu fahren! – und dann rausschieben zur Tiergartenalm.

Essen!

Dann weiter runter auf der Piste, aber nur kurz, dann links hinein in einen Ziehweg, und auf diesem problemlos zum Auto. Im Schigebiet – und doch auch nicht…

Tag 4: AsitzBräu über Leogang

Wir erfahren von einer Pistentour auf den Asitz, den Schiberg in Leogang. Wir fahren hin, und lesen dort, dass wir willkommen sind – und dass es nichts kostet. Smile. Wir starten los, und – Überraschung – die Spur führt schon nach kurzer Zeit weg von der Piste in den Wald hinein. Es liegt genug Schnee für den Aufstieg. Wir sind in der Einsamkeit, kommen über Lichtungen und Schläge nach 2 Stunden zu einer verlassenen Alm, stärken uns, und wollen weiter hinauf, zumindest auf den Kleinen Asitz. Plötzlich, bei einem Schritt merke ich, dass mein rechter Schi nicht mitkommt. Oh, denke ich, die Bindung ist aufgegangen. Ich brauche einige Zeit um zu realisieren, dass sie nicht aufgegangen, sondern ex-gegangen ist. Hin – und zwar so, dass weder Aufstieg noch Abfahrt möglich sind. Schi-Tragen ist das einzige, was bleibt. Ich bin ein bissl verärgert, weil ich grade so im Flow war, und weil ich zum Gipfel wollte, und weil das Material … Aber der Ärger weicht schnell der Dankbarkeit darüber, dass ein paar Meter weiter eine Forststraße unsere Spur quert. Der folge ich abwärts, und schon bald erreiche ich die Piste. An deren Rand gehe ich runter – die Schier auf der Schulter – und schon nach wenigen Metern bin ich bei der Mittelstation der Steinbergbahn. Den Mitarbeitern der Seilbahn schildere ich mein Pech, die lassen mich lächelnd gratis nach unten fahren. Gabi und Martin sind inzwischen beim Asitz-Bräu oben angekommen, und fahren die Piste ab zu mir.

Wir essen in der Kraller-Alm. Dabei resümieren wir: Bindungsbruch ist was Blödes, aber zu dem Zeitpunkt und an der Stelle? Also: wenn schon Bindungsbruch, dann war das ziemlich der beste Ort und der beste Zeitpunkt dafür. Ich nehme es als Hinweis darauf, dass ich bewahrt und behütet und gesegnet bin, dass Einer auf mich schaut, und dass Snoopy vollkommen recht hat mit seinem Leib- und Magenspruch: Es hätte schlimmer kommen können!

Und was soll ich sagen: Einheimische erzählen uns, dass auch in Saalbach-Hinterglemm Tourengeher willkommen sind. Und dass es ähnlich angelegte Tracks gibt: Im Gelände rauf, auf der Piste runter. Wir kommen!

P.S.: Der Vöcklabrucker Sportartikelhändler, der so ähnlich heißt wie der Berg, auf dem die Bindung kaputtgegangen ist, hat schnell, kompetent und freundlich reagiert. Innerhalb von 5 min hatte ich einen neuen Vorderbacken auf meinem Schi, und zwar kostenfrei! Danke!

Nettes Steiglein, grandiose Aussicht, phantastische Hütten

Faistenauer Schafberg, 1559 m – Bergwandern

900 Hm, gut 4 h

Ausgangspunkt: Parkplatz Schafbachstraße, Keflau. 2,50 Euro Gebühr.

Der „Faisti“ ist definitiv einer meiner Lieblingsberge in der Osterhorngruppe – weshalb er hier in diesem Blog auch schon zum 2. Mal auftaucht!

10. Juni 2025

Er ist nur der kleine Bruder des „richtigen“ Schafberg, und dennoch übertrifft er ihn in mancherlei Hinsicht. Karl Eichhorn, der „Stoana Karl“, Berglegende und Presbyter aus dem Attergau hatte ihn zu seinem Trainingsberg erkoren, und ihn unzählige Male mit Bleigewichten im Rucksack erklommen.

Ich war jetzt das 18. Mal oben, dreimal davon mit Schiern (kaum lohnend – da ist die gegenüberliegende Loibersbacher Höhe die bessere Wahl). Immer wenn ich Besuch habe, bringe ich ihn auf den Faistenauer Schafberg: Mike Wind aus Florida musste rauf, Alexander Garth natürlich, und Patrick Todjeras J.

Die Aussicht und die beiden Hütten waren immer schon top, aber seit ich das kleine, unmarkierte Weglein kenne, das ich jetzt beschreiben will, ist die Tour auf den „Faisti“ einzigartig:

Man beginnt beim Bezahl-Parkplatz in der Keflau, und wandert dem markierten Weg entlang nach Süden. Allerdings nicht lange, nur bis zum großen Wasserreservoir. Davor zweigt rechts eine Forststraße ab, mit Schranken: da geht’s rüber und runter. Man verliert ein paar Höhenmeter, hält sich bei der nächsten Almweg-Verzweigung links, und wandert nun steil bergauf in ein Almgebiet. Achtung, Kühe. Nach dem Almgebäude öffnet sich die Weide, und der Weg verliert sich. Irgendwie muss man nach oben, sich eher rechts halten. Den Durchschlupf hier, über den Weidezaun und zur nächsten Forststraße habe ich noch nicht gefunden, es ist a bissl a Kampf mit dem Gehölz. Hat man die Forststraße erreicht, dann findet sich von da ein kleines, feines, gut ausgetretenes Steigerl, das den Rücken entlang nach Süden zum Gipfel führt. Erst durch den Wald an einem Rastbankerl vorbei, dann eine Almwiese querend, und schließlich steiler werdend zum höchsten Punkt hinauf. Ich liebe diesen Anstieg: Einsam, nicht schwer und immer schöne Ausblicke schenkend!

Der Gipfelblick ist ein Traum: Vom Toten Gebirge zum Dachstein, Tennen- und Hagengebirge, Hochkönigstock, die bayrischen Riesen, der Schafberg natürlich und von hinten blinzeln die schneebedeckten Dreitausender durch. Okay, diesmal war’s sehr diesig – die Waldbrände in Kanada lassen grüßen – da hab‘ ich mich mehr an den Blumenwiesen ergötzt. Unten liegen die Seen – soooo schön!

Es wird noch schöner! Gut 200 Höhenmeter abwärts – nun den markierten Wanderweg entlang – kommt man auf die Oberwiesalm und die Schafbergalm. Da stehen die Döllererhütte und die Lanz’nhütte nebeneinander. Beide einladend, beide kulinarisch großartig, beide hübsch herausgemacht und zum Verweilen einladend! Krapfen und Kaffee muss sein, alternativ Pofesen!

Weil ich voller Glückshormone war, musste ich auch noch auf die Loibersbacher Höhe rauf – damit 900 Höhenmeter zusammenkommen…

Der Abstieg folgt dem Almweg, rechts den Berg entlang bis zum Parkplatz.